Die Sinjer RERA

Von Generation zu Generation werden im Dalmatinischen Hinterland die alten Klänge der Ojkavica, der Ganga und der Rera überliefert. Obwohl dies selten in schriftlicher Form, meistens nur in mündlicher Form geschah, sind diese Volksverse bis heute nicht in Vergessenheit geraten. Dass diese nicht vergessen worden sind, kann man den inspirierten  Nachkommen verdanken, welche die Werte ihrer Vorfahren bewahren. Die Bedeutung der Ojkavica, die ihren Namen vom charakteristischen Ausruf Oj erhalten hat, hat auch die UNESCO erkannt, so dass sie diese seit 2010 auf ihre Liste der gefährdeten Kulturgüter des Weltkulturerbes aufgenommen hat. Die Ojkavica wird von männlichen und weiblichen Sängern gesungen, indem verschiedene Techniken des Bebens der Stimme verwendet werden, einer besonderen Art des Singens „aus dem Hals heraus“. Das Lied dauert so lange, wie der Atemzug des Hauptsängers ist. Die Verse umfassen verschiedene Themen wie Liebe, geographische Aspekte, religiöse Themen bis hin zu Themen, welche die Gesellschaft insgesamt betreffen. Die Ojkavica, die Ganga und die Rera haben sich vor allem deshalb bewahrt, weil sich Kulturvereine gegründet haben, die diese Kunst und dieses Können an die jüngeren Generationen weitervermittelt haben und dies auch weiterhin pflegen. Außerdem ist ein lokaler Enthusiamus spürbar und ein Stolz auf die eigene Kultur, der ebenfalls Positives zu ihrem Erhalt beiträgt. So findet in den letzten Jahren ein immer stärkerer Austausch und eine Präsenz innerhalb des Landes als auch im Ausland statt, wo diese Art des Singens auf Festivalen präsentiert wird. Das Kulturministerium hat die Ganga im Jahre 2009 zum geschützten Kulturgut erklärt. Die Ganga gilt als fester Bestandteil des seit Jahrhunderten präsenten musikalischen Ausdrucks der Gegenden rund um die Orte Imotski und Vrgorac und neben unseren Gegenden in Kroatien, ist die Ganga auch im benachbarten Bosnien und Herzegovina präsent. Für die Cetiner Gegend ist vor allem das zweistimmige, halsartige singen, die sogenannte Rera charakteristisch. Die Rera wird mit „vollem Stimmvolumen“ gesungen. Ein Sänger „führt“ das Lied und singt die dominantere erste Stimme, die anderen Sänger folgen diesem, indem sie reren (reraju). Dieses Singen ist sehr lebendig und tief verwurzelt mit der Identität der Cetiner Bevölkerung und beschreibt nicht selten alltägliche Ereignisse, Erschütterungen zwischen den Bewohnern zweier Dörfer, Charakteren und Gepflogenheiten, belächelt menschliche Schwächen und vollzieht dieses, indem ein besonderer Wortschatz verwendet wird. In kurzen Reimen, meistens in Zweizeilern (zwei Versen), so dass in jede Strophe ungewöhnlich kurze aber prägnante Mitteilungen deutlich werden. Ganz gleich, ob diese dem Liebsten, der Liebsten oder der Schwiegermutter, der Heiligen Jungfrau von Sinj oder anderen Heiligen gewidmet sind. Die Rera konnte auf diese Weise jede Feier erheitern und brachte die notwendige Würze. 

Typische Verse lauten folgendermaßen:

Oh du Heilige Jungfrau von Sinj, ich werde dir zu ehren eine Messe bezahlen,

wenn du mir meinen Liebsten zurückbringst.

 
Bei meinem forschen Kerl sind die Wiesen in aller Munde,

drei Schafe schaffen es, diese in einer Stunde abzugrasen.

 
Mein Liebster lobt seinen Besitz,

wenn er auf einem Hahn sein Getreide zur Mühle bringt

 
Liebste Schwiegermutter, für dich habe ich etwas Feines,

einen tiefen Brunnen und kaltes Wasser.

 
Oh meine Liebe, was bist du bitter,

wenn sich ein junges Mädchen von ihrem Geliebten trennen muss.

 
Junge Frau, dies sei dir ewig im Gedächtnis,

grüße niemals als erstes einen jungen Mann.

Ganz leicht kannst du mein Goldstück erkennen,

denn  er trägt seine weißen Socken über dem Hosenbein.

 
Mein Liebster, mein Blümchen auf dem Wasser,

küsse mich, dies tut meinem Herzen gut.

 
Die Liebe mordet und begräbt,

auch mich wird sie begraben, zum Teufel mit ihr!